Schematische Blueprint-Darstellung eines nachhaltigen Neubau-Mehrfamilienhauses mit Photovoltaik-Dachanlage - Symbolbild fuer den Ratgeber BiRN oder DGNB beim Ingenieurbuero Brinkmann
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BiRN oder DGNB? Die zwei Wege zum QNG-Siegel

„QNG oder DGNB" ist die falsche Frage. QNG ist das staatliche Siegel – das Ziel. Die zwei relevanten Wege dorthin sind BiRN und DGNB. Beide führen zum QNG-Siegel für die KfW-Neubauförderung; der Unterschied liegt im Umfang und zusätzlichen Nutzen.

Von Jan Brinkmann, zuletzt aktualisiert am
Stand: KW 28/2026

QNG, BiRN oder DGNB – die Kurzantwort

Wer neu baut und die höhere KfW-Förderstufe erreichen will, stößt schnell auf drei Begriffe: QNG, BiRN und DGNB. Sie werden oft für Alternativen gehalten. Das sind sie nicht – zumindest nicht so, wie meist gedacht.

  • Das QNG (Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude) ist ein staatliches Siegel des Bundes. Es ist der Oberrahmen: Es definiert die verbindlichen Nachhaltigkeitsanforderungen und ist Voraussetzung für die Förderung. QNG stellt aber niemand „direkt" aus.
  • BiRN und DGNB sind Siegelträger (akkreditierte Zertifizierungsstellen). Sie prüfen Ihr Gebäude nach einem anerkannten Bewertungssystem und stellen auf dieser Grundlage das QNG-Siegel aus.

Der entscheidende Punkt: Sie wählen nicht „QNG oder DGNB". Sie wählen den Weg zum QNG, und dieser Weg führt entweder über BiRN oder über DGNB. QNG haben Sie am Ende in beiden Fällen.

QNG erklärt: das staatliche Siegel (der Rahmen)

Das Qualitätssiegel Nachhaltiges Gebäude (QNG) wurde vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen (BMWSB) eingeführt. Es ist die staatliche Klammer, die festlegt, was ein „nachhaltiges Gebäude" im Sinne der Bundesförderung ist.

Das QNG kennt zwei Anforderungsniveaus: QNG-PLUS (Basisniveau) und QNG-PREMIUM (höheres Niveau mit strengeren Grenzwerten, insbesondere beim CO₂-Fußabdruck über den Lebenszyklus).

Wichtig zu verstehen: Der Bund vergibt das Siegel nicht selbst. Er akkreditiert Siegelträger – dazu gehören BiRN und die DGNB – und registriert die Bewertungssysteme, die als Nachweis zulässig sind (z. B. BNK und BNG für Wohngebäude oder das DGNB-System). Erst ein Siegelträger stellt das QNG auf Basis eines solchen Systems aus.

Was das QNG auslöst: Es ist die Voraussetzung für die höhere Stufe der KfW-Neubauförderung „Klimafreundlicher Neubau" (KFN, Programme KfW 297 für Selbstnutzer und KfW 298 für Nicht-Selbstnutzer). Wie das QNG-Verfahren im Neubau konkret abläuft, lesen Sie im Ratgeber

QNG-Zertifizierung im Neubau.

Die zwei Wege zum QNG: BiRN und DGNB

Zum QNG-Siegel führen mehrere anerkannte Siegelträger. In der Praxis sind zwei relevant – und wir begleiten beide, weil unser Büro sowohl BiRN- als auch DGNB-Auditor ist.

BiRN – der Weg über die Wohngebäude-Bewertungssysteme BNK/BNG

BiRN ist eine akkreditierte Zertifizierungsstelle (Siegelträger), die auf die Zertifizierung von Wohngebäuden spezialisiert ist. BiRN ist Programmträger und Zertifizierungsstelle für die Bewertungssysteme BNK (Bewertungssystem Nachhaltiger Kleinwohnhausbau, für Wohngebäude mit 1–5 Wohneinheiten) und BNG (Bewertungssystem Nachhaltiger Gebäude, für Wohngebäude ab 6 Wohneinheiten). Über diese Systeme wird das QNG-Siegel (PLUS oder PREMIUM) für Wohngebäude nachgewiesen. Der Weg über BiRN ist auf den QNG-Nachweis für Wohngebäude fokussiert und dadurch in vielen Projekten schlank und zielgerichtet.

DGNB – der Weg über das DGNB-System mit eigenem Zertifikat

Die Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen e. V. (DGNB) ist eine unabhängige, private Organisation und zugleich ein für das QNG anerkannter Siegelträger. Ihr Zertifizierungssystem bewertet Gebäude ganzheitlich – ökologisch, ökonomisch, soziokulturell, technisch sowie über Prozess- und Standortqualität – und eignet sich für Wohn- und Nichtwohngebäude.

Der Unterschied zum reinen QNG-Nachweis: Die DGNB vergibt zusätzlich ein eigenständiges DGNB-Zertifikat in Qualitätsstufen – Silber, Gold, Platin (Bronze nur im Bestand). Außerdem gibt es ein Vorzertifikat (in der Planungsphase) und das finale Zertifikat nach Fertigstellung. Dieses DGNB-Zertifikat hat einen eigenen Wert – etwa als ESG-/Nachhaltigkeitsnachweis gegenüber Investoren und Mietern. Wer über die DGNB geht, kann also das QNG-Siegel und ein DGNB-Zertifikat in einem Verfahren erhalten.

Wie QNG, BiRN und DGNB zusammenspielen

Hier liegt der wichtigste Denkfehler, den wir in der Beratung immer wieder ausräumen: QNG, BiRN und DGNB stehen nicht in Konkurrenz. Sie liegen auf verschiedenen Ebenen.

  • Das QNG ist das Ziel (das staatliche Siegel, das die Förderung öffnet) – der Oberrahmen.
  • BiRN und DGNB sind die Wege/Siegelträger dorthin.
  • BNK und BNG sind die Bewertungssysteme (Unterkategorien), über die – z. B. bei BiRN – der Nachweis für Wohngebäude erbracht wird.

In der Praxis: Ein Auditor bewertet Ihr Gebäude nach dem für das QNG registrierten System (BNK/BNG bei BiRN oder das DGNB-System). Erfüllt das Projekt die Anforderungen, stellt der Siegelträger das QNG-Siegel (PLUS oder PREMIUM) aus. Je nach Weg erhalten Sie damit entweder nur das QNG-Siegel (Fokus Förderfähigkeit, typisch über BiRN) oder QNG-Siegel plus DGNB-Zertifikat in einer Qualitätsstufe (wenn Sie zusätzlich Marktkommunikation und ESG-Nachweis wollen).

Einen kompakten Überblick über den QNG-Neubau geben wir auch im Blogbeitrag QNG im Neubau – was steckt dahinter.

BiRN vs. DGNB im Vergleich (beide führen zum QNG)

MerkmalWeg über BiRNWeg über DGNB
RolleSiegelträger / Zertifizierungsstelle für QNGSiegelträger / Zertifizierungsstelle für QNG (zugleich eigenes System)
BewertungssystemBNK (1–5 WE) und BNG (ab 6 WE)DGNB-System
GebäudefokusWohngebäudeWohn- und Nichtwohngebäude, Portfolios
ErgebnisQNG-Siegel (PLUS/PREMIUM)QNG-Siegel (PLUS/PREMIUM) + eigenständiges DGNB-Zertifikat
Zusätzliche Stufenkeine eigene Zusatz-Stufe über QNG hinausDGNB Bronze (nur Bestand)/Silber/Gold/Platin
Typischer Nutzenschlanker, fokussierter QNG-Nachweis für die KfW-FörderungQNG-Förderung plus ESG-/Marktnachweis
FörderrelevanzQNG-Siegel = Voraussetzung für die höhere KFN-Stufe (KfW 297/298)identisch: QNG-Siegel = Voraussetzung; DGNB-Zertifikat zusätzlich eigenständig nutzbar

Beide Wege führen zum QNG-Siegel – der Unterschied liegt im zusätzlichen Nutzen.

BiRN oder DGNB – welcher Weg passt zu Ihrem Projekt?

  • Sie wollen vor allem die KfW-Neubauförderung (KFN) sichern und bauen ein Wohngebäude: Dann ist der Weg über BiRN (BNK/BNG) meist der schlankste – er ist auf den QNG-Nachweis für Wohngebäude zugeschnitten.
  • Sie wollen zusätzlich einen marktfähigen Nachhaltigkeitsnachweis (für Investoren, Mieter, ESG-Reporting oder die eigene Außendarstellung): Dann lohnt der Weg über die DGNB mit ihrem eigenständigen Zertifikat parallel zum QNG.
  • Sie bauen ein Nichtwohngebäude oder ein größeres Portfolio: Dann spielt die breite DGNB-Bewertung ihre Stärken aus – hier beraten wir individuell.

In allen Fällen gilt: Die Weichen werden früh in der Planung gestellt. Ökobilanz, Materialwahl und Dokumentation lassen sich im Nachhinein kaum nachrüsten. Wir begleiten Sie deshalb ab der Entwurfsphase – und weil wir sowohl BiRN- als auch DGNB-Auditor sind, wählen wir mit Ihnen den Weg, der zu Ihrem Ziel passt, statt Sie auf ein System festzulegen.

QNG-Audit anfragen – wir prüfen im kostenlosen Erstgespräch, ob für Ihr Vorhaben der Weg über BiRN oder über die DGNB sinnvoller ist. Mehr zur DGNB-Zertifizierung finden Sie auf der Leistungsseite DGNB-Zertifizierung.

Weiterführende Informationen: QNG-/DGNB-Zertifizierung, QNG im Neubau sowie Schadstoff- und Innenraumluftmessung.

Häufige Fragen

Ist DGNB dasselbe wie QNG?
Nein. Das QNG ist ein staatliches Siegel des Bundes (der Rahmen), die DGNB ist ein privater Siegelträger mit eigenem Zertifizierungssystem (einer der Wege dorthin). Über die DGNB lässt sich das QNG-Siegel nachweisen – dasselbe leistet aber auch BiRN. QNG und DGNB sind also nicht dasselbe.
BiRN oder DGNB – was ist der Unterschied?
Beide sind anerkannte QNG-Siegelträger, beide führen zum QNG-Siegel. BiRN ist auf Wohngebäude spezialisiert und weist das QNG über die Systeme BNK (1–5 WE) und BNG (ab 6 WE) nach – schlank und förderfokussiert. Die DGNB bewertet breiter, eignet sich auch für Nichtwohngebäude und vergibt zusätzlich ein eigenständiges DGNB-Zertifikat (Silber/Gold/Platin, Bronze nur im Bestand) mit ESG-/Marktnutzen.
Brauche ich für die KfW-Förderung BiRN, DGNB oder QNG?
Für die höhere Stufe der KfW-Neubauförderung „Klimafreundlicher Neubau" (KFN, Programme 297/298) brauchen Sie das QNG-Siegel. Ob Sie es über BiRN oder über die DGNB nachweisen, ist für die Förderfähigkeit gleichwertig – QNG erhalten Sie auf beiden Wegen. Hinweis: Förderfähigkeit und -höhe richten sich nach den jeweils gültigen KfW-/QNG-Vorgaben; kein Rechtsanspruch auf Fördergewährung. Der Förderantrag muss vor Abschluss des Liefer- bzw. Leistungsvertrags gestellt werden.
Was ist der Unterschied zwischen QNG-PLUS und QNG-PREMIUM?
Beide sind Anforderungsniveaus des QNG. QNG-PREMIUM stellt strengere Anforderungen, insbesondere an den CO₂-Fußabdruck über den Lebenszyklus (Ökobilanz), und liegt damit oberhalb von QNG-PLUS. Das gilt unabhängig davon, ob Sie den Weg über BiRN oder über die DGNB wählen.
Was kostet die QNG-Zertifizierung über BiRN oder DGNB?
Das lässt sich nicht pauschal sagen – die Kosten hängen von Gebäudetyp, Wohneinheiten, Zielniveau und Nachweistiefe ab. Wir nennen Ihnen die Größenordnung transparent im Erstgespräch.
Wann sollte ich mit der Zertifizierung starten?
So früh wie möglich – idealerweise in der Entwurfsphase. Wichtige Kriterien wie Ökobilanz und Materialwahl beeinflussen die Planung direkt und lassen sich später kaum noch korrigieren. Bei Förderabsicht muss der Förderantrag vor Abschluss des Liefer- bzw. Leistungsvertrags gestellt werden; kein Rechtsanspruch auf Fördergewährung.

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